Technikzukünfte, Trends und Folgen

Wie die Technikzukunft konkret aussieht, kann keiner sagen, aber man kann Szenarien erstellen, wie mögliche „Zukünfte“ aussehen könnten. Mögliche Trends kann man in eng umrissenen Bereichen anhand mancherlei Indikatoren vermuten, aber Überraschungen gibt es immer wieder. Ob sich die Verletzlichkeit der technisierten Welt durch kompliziertere Technologie einerseits und der Ablehnung „westlicher Spielregeln“ andererseits (z.B. Menschenrechte, Terrorismus, Klimaschutz) verstärken wird, und ob sich der Gegensatz von Arm und Reich vergrößern oder vermindern wird, bleibt ungewiss.

Es gilt aber als ausgemacht, dass die wichtigsten Innovations- und Investitionsfelder Mobilität, Energie, Gesundheit, Umwelt, Kommunikation und Sicherheit sein dürften.

Frühere Prognosen und deren Trendaussagen halten den Vergleich mit der heutigen Wirklichkeit nicht immer stand. Ein Vergleich ist reizvoll und lehrreich. Trotzdem wollen wir in die Zukunft sehen, weil uns gar nichts anderes übrig bleibt. Vielfach sind Zukunftsaussagen gar keine Vermutung über Zukunft, sondern Willensbekundungen, wie man die Zukunft gern hätte, sog. Roadmaps. Anhand solcher Roadmaps kann man ablesen, wer welche Zukunft will. Das kann man schön bei den neuesten "technischen Willensbildungen" sehen: Industrie 4.0, Mobile Empowerment, Digitale Fabrik (Fabber, 3d Drucker etc.), Big Data, Smart Cities etc. . 

 

Arbeit im 21. Jahrhundert

Die menschliche Arbeit hat sich durch die technischen und dadurch ausgelösten organisatorischen und wirtschaftlichen Entwicklungen grundlegend verändert. Herkömmliche Muster der individuellen und gesellschaftlichen Funktion der Arbeit lösen sich auf: Die Möglichkeit zum befriedigenden Erwerb von Einkommen, die Stiftung von Identität durch Arbeit und die soziale Teilhabe bei der Arbeit. In welche Richtung sich diese Muster verändern werden, ist umstritten. Kennzeichen moderner Arbeit sind extreme Arbeitsteilung, abrupte Wechsel der Aufgaben und hohe Flexibilisierung. Hinzu kommt eine zunehmende Fokussierung der Arbeit am, im und mit dem Netz. Das führt immer mehr dazu , die eigene, individuelle Biographie als Arbeitsbiographie im Netz zu inszenieren. Die Arbeits-Existenz wird durch die Netz-Präsenz ersetzt.

Anhand des Arbeitsthemas kann man auch die Auswirkungen der Technisierung der Arbeit mit ihren Vor- und Nachteilen, die Anforderungen an die Arbeitsorganisation durch die demographische Entwicklung und die Globalisierung der Arbeitsmärkte verdeutlichen.


Wissen der Zukunft, Zukunft des Wissens

Im normalen Sprachgebrauch verwechseln wir gern Wissen mit Information. Unser Umgang mit Wissen ist aber hauptsächlich ein Umgang mit Information. Um Information zu besorgen und zu verstehen braucht man Zeit – Verstehenszeit. Erst dann entsteht Wissen. Das wird gern vergessen.

Wird der Zuwachs an wissenschaftlicher Information auch zu einem Zuwachs von Wissen führen? Oder geht die Wissensproduktion der Wissenschaft in die Sättigung?

Wir verlieren ständig an Information durch Datenverlust beim Kopieren, Speichern und Archivieren, aber wir verlieren auch Wissen durch Vergessen und Verlust des Grundlagenwissens. Wie teilen wir künftigen Generationen mit, wo wir unsere Hinterlassenschaften „entsorgt“ haben (nukleare, chemischer, biologischer Abfall, Landminen, Weltraumschrott etc.)? Es zeigt sich, dass es keine allein technische Lösong hierfür gibt.

 

Energiewende

Die Energiewende kann als ein Versuch verstanden werden, den Ressourcenverrauch vom wirtschaftlichen Wachstum zu entkoppeln. Die Triebkräfte für die Energiewende sind zwar auch mangelnde Akzeptanz, die Sicherheitsfrage und die Entsorgungsfrage bei der Nutzung der Kernkraft, aber viel wichtiger sind die Aussicht auf Leadership in der Technologie der erneuerbaren Energien, des Klimaschutzes, der Entsorgung und der Organisation (Smart Grids). Weiterhin treibend sind die Ziele der Ressourcenschonung (unter Einbeziehung von Kohle und Gas als Übergangstechnologien), der Wunsch nach Autarkie der Energieversorgung und der Effekt der sekundären Liberalisierung des Strommarktes (alle produzieren alles). Das Wachstum der Nachfrage nach Energie ist zu verstehen als Wachstum der Nachfrage nach dem, was man mit Energie machen kann: Heizen, kühlen, bewegen (Mobilität), bauen (Produktion), zerstören, entsorgen, schützen etc. Man braucht Energie, um Energie zu gewinnen, und man braucht Energie, um die Folgen des Energieverbrauchs in Griff zu bekommen. Diese Spirale hat natürliche und organisatorische Grenzen, an die wir uns gewöhnen müssen. Wie groß ist unsere Veränderungs-bereitschaft?


Belohnungssysteme

Wenn man Lohn als Tausch für das Produkt aus Arbeitszeit und Arbeitskraft ansieht, dann kann etwas mit den Managergehältern nicht stimmen – oder die Gleichung stimmt nur für niedrige Löhne. Wenn aber Lohn, Gehalt und Prämien nicht alles sind – was dann? Könnte es sein, dass Anerkennung, Selbstwert und Selbstachtung wichtiger sind? Man könnte auch einmal durchspielen, wie Belohnungen in unserer Gesellschaft aussehen, wenn man den Kompensationsgedanken aufgäbe. Die Einsicht, nicht immer erobern zu wollen, sondern zu kooperieren, wird durch Erkenntnisse aus zwei ziemlich unterschiedlichen Bereichen unterstützt: Sowohl die mathematische Spieltheorie als auch die politische Philosophie haben gezeigt, dass Kooperieren sich auf längere Sicht auf die kürzere oder längere Dauer immer lohnt. Dazu müssen wir jedoch nicht nur die Zeithorizonte unserer Belohnungssysteme verlängern, sondern auch die Abhängigkeit ganz unterschiedlicher Subsysteme voneinander reduzieren.

Wenn Politik die Wissenschaft zu usurpieren versucht, diese ihre zum Teil dann falsch verstandenen Maßstäbe in die Medien transportiert, Bildung ökonomisiert und die Wirtschaft von technischer Entwicklung und die Technik nur noch von finanziellen Investitionen und zweifelhaft eingeschätzten Marktchancen abhängig wird, dann läuft etwas falsch.

Individuum und Menschenbild, Technik, Wirtschaft und Gesellschaft wären daher in neuer Weise aufeinander zu beziehen. Denn unterschiedliche Anerkennungs- und Belohnungssysteme haben mit unterschiedlichen Wertorientierungen zu tun. Werte spiegeln letztlich Menschenbilder wieder. Welche Menschenbilder haben unsere Gestalter von Technik, Organisation und Ökonomie?

 

Markt, Macht und Moral

Die Energiewende hat eine neue ethische Debatte ins Leben gerufen. Ebenso hat sie die Frage nach der Akzeptabilität der Maßnahmen aufgeworfen, die mit dieser Energiewende auf uns zukommen können. Wie bringen wir Vernunft, Gemeinsinn, Eigeninteressen und Moral unter einen Hut? Wie bewirtschaften wir künftig Geld, Vertrauen und Wissen? Wo ist der Fortschritt denn noch ein Fortschritt? Es zeigt sich auch, dass die  Wirtschaftswissenschaften mit ihre Modellen in eine Grundlagenkrise geraten sind. Die Modelle tun so, als ob sie die wirtschaftlichen Prozesse gesetzesartig beschreiben könnten. Sie stellen aber eher Regeln dar, wie die Akteure sich nach Meinung der Modellersteller verhalten sollten und üben damit einen normativen Druck auf unser Wirtschaftsleben aus. Das führt eher zu einer self-fulfilling phrophecy, aber nur geringfügig zum Verständnis von ökonomischer Prozesse.

 

Nachdenken über Zeit

Das erste Paradox ist: Wenn wir über Zeit nachdenken, brauchen wir Zeit. Das zweite Paradox ist: Wir meinen zu wissen, was Zeit ist, doch wenn wir es sagen sollen, fällt uns nichts dazu ein. Das wusste schon Augustinus. Besonders eigenartig ist, dass sich Vergangenheit und Zukunft so radikal unterscheiden – aber offensichtlich nur für uns, jetzt im Augenblick. Man kann das Thema logisch, physikalisch oder psychologisch angehen und es ist spannend, was die Wissenschaften dazu sagen. Man kann aber auch unseren Umgang mit Zeit, unser persönliches Zeitmanagement unter die Lupe nehmen und wird ebenfalls eine Reihe von Paradoxien entdecken. Das Thema verlockt zu einer Entdeckungsreise, zu der man sich ebenfalls Zeit lassen sollte.